Die Geschichte der Aloe Vera Pflanze

Dezember 6th, 2010 by pflanzerl55

Den alten Aufzeichnungen verdanken wir wichtige Informa­tionen über die Art der Heilpflanzen und ihre Anwen­dung. In der europäischen Heimat wurden diese Berichte lange ignoriert oder nicht ernst genommen, weil es hier ja genug andere Medikamente gab. Erst das bahnbrechende und in mehreren Auflagen erschienene Werk des Berliner Sanitätsrats Max Bartels »Die Medicin der Naturvölker« (Leipzig 1893) verhalf diesem Wissen zu seinem Recht. Er schrieb darin über die Heilpflanzen der Indianer: »Den Pharmakologen aber mag ihr Studium recht dringend ans Herz gelegt werden, denn mancher therapeutische Schatz kann hier noch im Verborgenen schlummern.«

Vermutlich ist dieser Rat damals von den meisten deut­schen Schulmedizinern belächelt und nicht weiter beach­tet worden. Heute gilt er um so mehr. Es ist das Verdienst von Max Bartels, alle zu seiner Zeit verfügbaren Quellen ausgewertet und zu einer heute noch anregend zu lesen­den Gesamtdarstellung zusammengefasst zu haben. Für Amerika hat dies – bemerkenswerterweise fast zur glei­chen Zeit – der Arzt und Pharmakologe C. E Millspaugh mit seinem 1887 erschienenen Buch »American Medical Plants« geleistet. Das zeigt, dass zu dieser Zeit die Heil­pflanzenkunde der indianischen Ureinwohner zumindest von Fachleuten ernst genommen wurde.

Aus den von Max Bartels ausgewerteten Quellen kön­nen wir entnehmen, dasss die Zahl der von den Indianern benutzten Medizinalpflanzen zwar relativ gering war, von Stamm zu Stamm unterschiedlich, doch im Durchschnitt betrug sie etwa zwanzig Pflanzen. Das Spektrum der Krankheiten jedoch, das mit diesen wenigen Heilpflanzen abgedeckt und behandelt wurde, war relativ breit. Das sollte uns allerdings nicht wundern, denn bei uns gibt es zwar Tausende verschiedene Medikamente, die sich aber nur aus relativ wenigen Wirkstoffen zusammensetzen. Das Spektrum der Krankheiten reichte also von Schüttelkrampf, Durchfall und Verstopfung, Magenverstimmung, Vergiftungen und Asthma über Kopfschmerz und Rheuma bis zu Verbrennungen, Wunden, Ausschlägen, Augen- und Ohrenleiden, Husten und Frauenleiden. Die wichtigste Pflanze, die am häufigsten zur Behandlung dieser Krank­heiten verwendet wurde, war übereinstimmend die Aloe vera Pflanze.

Nach der Vorstellung der Indianer wirkte aber nicht die Pflanze an sich, sondern ihre eigentliche Heilkraft erhielt sie erst durch das Ritual des Medizinmannes, das von jedem Angehörigen eines Stammes respektiert wurde. Es wäre also auch bei kleineren Beschwerden wie Schnitt­wunden zum Beispiel nicht erlaubt gewesen, dass der Kranke selbst oder ein Familienmitglied sich der Pflanze bedient, sondern man unterwarf sich in jedem Fall dem vorgegebenen Ritual.

Das begann mit dem Abschneiden einzelner Blätter oder der ganzen Pflanze, das nur zu einem bestimmten Zeitpunkt erfolgen konnte. Da man dem Nachttau eine besonders unterstützende Heilwirkung zuerkannte, wur­den die Pflanzen meist am frühen Morgen geerntet. Der Medizinmann trug dazu seine Arbeitskleidung, nämlich eine Decke oder ein Fell, auf dem Vogelschnäbel und Vogelkrallen angebracht waren, um mögliche schädliche Geister von der Pflanze fernzuhalten. Zu diesem Zweck hielt er auch eine Rassel in der Hand. Nach der Ernte wurde die Aloe vera Pflanze über einem Feuer getrocknet und gerö­stet, wobei das Ritual bestimmte Formeln und Gebete verlangte.

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